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17.06.2016

ÜKO

Erste Kletterprüfung (Vorstieg) mit zwei Geflüchteten und einer Peerhelperin


Am 07.Juni legten zwei Geflüchtete und eine Peerhelperin die Kletterscheinprüfung Vorstieg erfolgreich ab.

Kurze Vorgeschichte
Seit Mitte November bietet das Überbezirkliche Kletterprojekt Outreach (ÜKO) minderjährigen unbegleiteten und jungen erwachsenen Geflüchteten die Möglichkeit, einmal in der Woche zu klettern.
Zunächst als Events für wechselnde Gruppen gedacht, veränderte sich der Charakter des Angebots schnell: Aufgrund der verbalen und nonverbalen Rückmeldung der Jugendlichen wurde deutlich, dass die meisten das Klettern nicht als Event begreifen, sondern regelmäßig klettern und dabei aktiv Verantwortung übernehmen wollen. Sie versuchen zu verstehen, wie der Schraubkarabiner, das Seilhandling und die Sicherungstechnik funktionieren.
In der Folge lehrten wir ihnen – zumeist pantomimisch - peu à peu die grundlegenden Knoten und die Sicherungstechnik. Neu Hinzustoßenden lehren diejenigen, die die Knoten schon können, diese und lassen sie von uns kontrollieren. Um die Gefahr beim Klettern zu verdeutlichen, simulieren wir kontrollierte Stürze und machen damit klar, wie wichtig die richtige Handhabung der Sicherungstechnik und des Seils sowie der Partner*innen-Check ist, aber auch, dass Sichernder und Kletternder ein Team sind, in dem sich beide 100% aufeinander verlassen müssen, weil es sonst zu schweren Verletzungen kommen kann.
Zu Anfang arbeiteten wir ausschließlich mit Jugendlichen aus einer Erstaufnahme-Einrichtung in Britz, hauptsächlich Syrern. Seit Anfang des Jahres sind Jugendliche aus anderen Einrichtungen hinzugekommen, die aus Syrien, Afghanistan, Pakistan oder aus Subsahara-Afrika stammen. Es gibt wechselnde Teilnehmer*innen, Jugendliche, die hin und wieder kommen und Jugendliche, die seit Monaten regelmäßig den Termin wahrnehmen.

Kletterprüfung am 7: Juni 2016
Schon Anfang Februar hatten wir die Idee, mit den regelmäßig Kletternden die Prüfung zum Toprope und/oder Vorstiegsschein durchzuführen. Die Idee dahinter war, den Jugendlichen Selbstvertrauen durch eine bestandene Prüfung zu geben, aber auch, sie von uns unabhängig zu machen. Sollten sie bspw. in ein anderes Bundesland gebracht werden, können sie mit diesem Schein selbstständig in jeder Halle klettern gehen (Einschränkung: Als Minderjährige brauchen sie eine Einverständniserklärung ihres Vormundes, die sie in der Halle vorlegen müssen).
Nach zwei Testdurchläufen buchten wir für Dienstag den 7. Juni einen externen Prüfer. Wir hatten drei Prüflinge: Einen Syrer, einen Afghanen und eine Peerhelperin mit palästinensischem Hintergrund. Geprüft wird nicht die Kletterleistung, sondern alle sicherungsrelevanten Aspekte: Sind die Knoten richtig gebunden? Wird richtig gesichert (Handling mit dem Seil)? Gibt es ein Loch in der Sicherungskette und ist damit der/die Kletter*in zu irgendeinem Zeitpunkt gefährdet? Wird der Partnercheck richtig durchgeführt? etc.
Da es der zweite Tag vom Ramadan war, konnten wir nicht einschätzen, wie die Jugendlichen drauf sein werden. Alle drei kamen, waren motiviert und aufgeregt. Wir Betreuer*innen waren ebenfalls nervös und fühlten uns via den drei Prüflingen mitgeprüft. Schließlich hatten wir ihnen alles beigebracht! Machen sie Fehler, sind das unsere Fehler!
Die Prüfung dauerte anderthalb Stunden und bestand aufgrund der Sprachschwierigkeiten der beiden Geflüchteten hauptsächlich aus Praxis. Jede/r sicherte und kletterte jeweils einmal im Toprope und im Vorstieg. Alle drei bestanden sowohl den Toprope-Teil als auch den Vorstiegs-Teil mit Bravour und hielten am Schluss stolz ihre Kletterscheine in der Hand. Auch wir Betreuenden waren stolz und der Prüfer bescheinigte uns, dass wir die Jugendlichen gut ausgebildet haben.

Von Carola Senf, ehrenamtliche Mitarbeiterin


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