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06.06.2016

ÜKO und Schöneberg Nord

Besuch im Kletterwald und Wildpark Schorfheide


Am 17. Mai machten Schöneberger Jugendliche und Geflüchtete einen Tagesausflug in die Schorfheide zum dortigen Kletterwald und Wildpark. Inclusive den Betreuer*innen (Hauptamtliche und Ehrenamtliche) waren wir 64 Menschen: Kinder und Jugendliche aus Schöneberg Nord, Geflüchtete aus dem Hotel President und aus zwei Einrichtungen des Trägers FAMOS sowie jugendliche Geflüchtete aus dem ÜKO (Überbezirkliches Kletterprojekt Outreach).

Wie kam es dazu? / Vorgeschichte
Das „Überbezirkliche Kletterprojekt Outreach“ (ÜKO) hat Kontakt zu Sven Unger, dem Inhaber des Kletterwaldes Schorfheide. In einem Telefonat, fragten wir, ob er uns einen „coolen Preis“ für den Besuch des Kletterwaldes mit Geflüchteten machen könnte. Er sagte, „Ja, ich lade euch ein, uns und auch den Wildpark zu besuchen. Kosten entstehen nur für den Transport und die Verpflegung.“ Dieses Angebot konnten und wollten wir uns nicht entgehen lassen. Alle, die davon hörten, waren von der Idee begeistert.
Von Anfang an war klar, dass wir eine inklusive Fahrt unternehmen wollen, eine Fahrt nicht nur mit Geflüchteten, sondern auch mit Kindern und Jugendlichen aus unserem Sozialraum.

Organisation
Über viele Sachen, mussten wir uns im Vorfeld Gedanken gemacht, die wir kurz darstellen wollen.
Residenzpflicht
Mit den Unterkünften war zu klären, ob und wenn ja welche rechtlichen Hürden für die Einzelnen bestehen und wie sie aus dem Weg zu räumen sind. Das gestaltete sich nicht ganz so einfach.
Um Fragen der Residenzpflicht zu klären und da sich die Gesetzeslage – gefühlt -stündlich verändert, gab es im Folgenden einen regen Mailverkehr zwischen einer der Unterkünften und der „Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant*innen e.V.“ (KuB). Die dortigen Berater*innen sind hochkompetente Menschen, trotzdem waren auch sie sich nicht ganz sicher:
„… Residenzpflicht nur in den ersten 3 Monaten, wenn der Ausflug in dieser Zeit stattfindet, Verlassens-Erlaubnis bei der ABH stellen. Evtl. sowieso dort nachfragen.“
Das Labo wiederum spricht von einer theoretischen Möglichkeit: „… Jugendliche mit einer Duldung könnten theoretisch an einer Innlandtagesfahrt teilnehmen
… Jugendliche die im Besitz einer Aufenthaltsgestattung sind, da sollten Sie sich im Sachgebiet IV A2 oder IV A4 erkundigen.“

Wer kommt mit?
Schöneberger Kinder und Jugendlichen wurden gefragt, wer Lust hat mitzukommen. 23 meldeten sich an. Neben dem Kontakt zum Hotel President bestehen über das ÜKO auch Kontakte zu Notunterkünften in Britz, Kreuzberg und Tiergarten Süd. Jeder Unterkunft wurde mitgeteilt wie viele Personen jeweils teilnehmen können. Nach den ersten Anmeldungen kamen wir auf über 80 Teilnehmer*innen.

Kletterunterstützung und Sprachmittler
Sven vom Kletterwald bat um Unterstützung bei der Betreuung im Kletterwald. Zum einen um das Klettern zu beaufsichtigen und evtl. helfend einspringen zu können. Hier unterstützten 3 Ehrenamtliche aus dem ÜKO. Zum anderen wurden Sprachmittler*innen benötigt um die die Erklärungen zu den Sicherheitsstandards und zu den Regeln im Kletterwald zu übersetzen. Von einem der beteiligten Träger begleiteten uns zwei Mitarbeiter, ein Arabisch sprechender und einer der Farsi spricht.

Wie transportieren?
Nach einigem Hin- und Herüberlegen, entschieden wir uns einen Reisebus zu mieten, in dem 52 Leute Platz hatten. Die restlichen wollten wir mit zwei gemieteten 9-Sitzern von Robben und Wientjes, einem Outreach-Bus und privat PKWs transportieren.

Verpflegung
Da wir von 9:00 Uhr morgens bis 7:00 Uhr abends unterwegs sein würden, war klar, dass auch genügend Essen und Trinken für die 80 Leute bereitgestellt werden muss. Vor allem die Geflüchteten haben wenig Eigenmittel, um sich Essen für einen Tagesausflug zu kaufen.
Einen Teil der Lebensmittel spendete uns Sulaf Ahmad, der Besitzer des REWE Marktes in der Potsdamer Straße. Der Rest musste eingekauft werden. Die ursprüngliche Idee, im Wildpark zu Grillen, mussten wir leider aufgrund der hohen Waldbrandgefahr verwerfen, zu dem Zeitpunkt war Grillen nicht erlaubt. So bestellten wir 60 Fladenbrote vor, brieten über die Pfingstfeiertage 25 Kilo Hackfleisch zu Buletten und kochten 8 Kilo Bulgur und 20 Kilo Nudeln. Die Idee war, dass die Menschen selbst aus diesen Grundlagen sowie ebenfalls eingekauftem Gemüse, im Wildpark Salate zubereiten.

Ansprache zur Organisation vor Ort
Da der Weg in den Wildpark – unserer Homebase für diesen Tag - durch den Kletterwald führt, war unsere Befürchtung, dass viele auf dem Weg stehen bleiben und sofort in den Kletterwald wollen. Es war aber klar, dass nicht 80 Leute gleichzeitig im Kletterwald rumturnen können, also mussten wir die Menschen zügig durchlotsen. Wir bereiteten also eine Ansprache vor, die die Sprachmittler auf der Hinfahrt im Bus hielten. Hierin ging es zunächst um sämtliche logistischen Punkte: wo ist der zentrale Treffpunkt, was kann Mensch im Wildpark alles machen und was nicht, wer gehört zu den Betreuer*innen, wer ist Ansprechpartner*in, wann ist die Abfahrt, etc.
Des Weiteren teilten wir auch auf der Hinfahrt 3 Gruppen ein, die zu festgelegten Uhrzeiten mit der Einweisung im Waldseilgarten starten und dann betreut klettern können. Dies war aus verschiedenen Gründen wichtig: damit niemand die Angst hat nicht zum Klettern zu kommen und wir so die Gruppe zügig vom Kletterwald in den Wildpark bringen können, damit alle wissen wann sie mit Klettern dran sind und damit alle genügend Zeit zum Klettern haben. Um es für alle zu erleichtern und zu verdeutlichen hatten wir rote, grüne und gelbe Karten vorbereitet – die jeweilige Farbe zeigte an, zu welcher Gruppe Mensch gehört - und an alle verteilt. Auf den Karten stand auch Gunters Telefonnummer, falls etwas vorfällt oder sich jemand verläuft. Schon im Bus wurde durch die Sprachmittler angesagt, welche Farbe wann mit dem Klettern beginnt, gleichzeitig wurden alle anderen gebeten zum Wildpark weiterzugehen und das Essen vorzubereiten.

Am Tag selbst
War ebenfalls noch vieles zu organisieren: Um 6:30 Uhr holten wir die bestellten Brote von der Bäckerei, um 7:00 Uhr trafen sich 2 Ehrenamtliche bei Robben und Wientjes, um die bestellten Sprinter abzuholen, um 7:30 Uhr wurden die letzten vorbestellten Lebensmittel in einem türkischen Gemüseladen und bei Sulaf Ahmad, dem Besitzer des REWE Marktes abgeholt… … ab 8:30 Uhr fanden sich dann nach und nach 64 Leute vor der Villa Schöneberg ein: Outreach Mitarbeiter*innen, Ehrenamtliche, Kinder und Jugendliche aus Schöneberg, Geflüchtete unbegleitete Jugendliche aus verschiedenen Unterkünften, die Familien aus dem Hotel President. So langsam stellte sich heraus, dass nicht alle kommen werden, die sich angemeldet haben (der Himmel war bedeckt, zwischendurch nieselte es und es war kühl, vermutlich ein Grund, warum nicht alle kamen). Die beiden Robben brauchten wir nun nicht und brachten sie noch schnell zurück, der beladene Bus startete pünktlich um 9:00 Uhr Richtung Schorfheide.
In der Schorfheide angekommen klärte sich schnell wer wohin geht und die erste Gruppe bekam sofort ihre Einweisung im Kletterwald, während die restlichen in den Wildpark weitergingen, der ca. 3 min zu Fuß entfernt ist.
Weil das Wetter bescheiden war, stellte das Restaurant des Wildparks uns freundlicherweise einen Raum zur Verfügung, in dem wir uns ausbreiten und Essen vorbereiten und konsumieren konnten. Nach diesen Vorbereitungen spazierten einige allein oder in Kleingruppen durch den Park, streichelten und fütterten Ziegen, machten sich auf die Suche nach dem Wolfsgehege und die Kleinkinder spielten im Buddelkasten.
Den ganzen Tag über unterstützten die Ehrenamtlichen des ÜKO die Crew vom Kletterwald. Die Kinder und Jugendlichen hatten viel Spaß, einige, die zunächst sagten, sie seien zu ängstlich für das Klettern, meisterten mit Hilfe der Ehrenamtlichen den einen oder anderen Parcours. Die ÜKO-Jugendlichen im Handling mit Klettergurt und Karabiner geübt, halfen den anderen bei der Einweisung und in den Parcours. Es wurde viel gelacht und gekreischt.
Pünktlich um 18:00 Uhr war Abfahrt, um 19:30 Uhr waren wir wieder an der Villa Schöneberg und luden die Sachen aus. Da wir mit mehr Leuten gerechnet hatten, war noch sehr viel Essen übrig, was wir an alle, die etwas wollten verschenkten. Den Rest brachten wir später zur Bahnhofsmission, wo wir dankbare Abnehmer*innen fanden.

Fazit
Es war ein richtig schöner Ausflug, den viele genossen haben, auch wenn das Wetter nicht so richtig mitgespielt hat. Schade war, dass einige Jugendliche wegen ihrer ungeklärten rechtlichen Situation nicht mitfahren konnten.
Dank an alle Betreuer*innen, vor allen Dingen an die Ehrenamtlichen, die im Vorfeld und am Tag selber mitgeholfen haben.

Von Carola Senf, ehrenamtliche Mitarbeiterin des ÜKO


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